Zwei Jahre nach der Demo „Fra Fjellheimen Kaller...“ schickt sich Lars Jensen, seines Zeichens alleiniges stetes Mitglied der norwegischen Blackmetalband Myrkgrav, nun zum ersten Mal an, dem geneigten Hörer seine in Ringeriksdialekt verfassten Geschichten über die volle Distanz zu präsentieren.
Hierbei handelt es sich um „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning“, welches mit neun vollwertigen Kompositionen, wovon zwei – namentlich „Tjernet“ und „Olav Tryggvason“ - bereits von der Demo bekannt sind, und zwei Instrumentalstücken aufwartet. Aufgelockert werden die dargebotenen Lieder immer wieder durch Akustikgitarre und choralen Gesang, wodurch die Scheibe einen sehr folkigen Grundtenor innehat, der glücklicherweise nur selten in echten Schunkel, wie man ihn von anderen Folk(black)metal-Bands kennt, verfällt. Die Scheibe bietet vielmehr erhabene Melodien, die einem von vergangenen Tagen berichten, jedoch nicht elegisch daherkommen; im Gegenteil: sie zeugen von Aufbruchstimmung, dem Willen, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dabei setzt Lars Jensen nicht nur auf das typische Blackmetal-Organ, sondern reichert sein Repertoire mit klarem Gesang und weiblicher Sprechstimme an. Diese Mischung, die an sich nichts Neues beinhaltet, macht den Anreiz dieser CD aus. Alles ist wunderbar austariert. Die Folklore nimmt nicht Überhand, wie auch der klare Gesang eher I-Tüpfelchen ist denn kalkulierte Berechnung, und die Gitarren sind - im Vergleich zur Demo - etwas in den Hintergrund getreten, was den anderen Instrumenten zu Gute kommt. Metaphorisch ausgedrückt: das Rad wurde nicht neu erfunden, es fährt nur besser denn je. Die Lieder bzw. das Album als Ganzes besitzen ungeheure Tiefe, nehmen einen gefangen und lassen einen erst los, wenn die Musik ihren letzten Ton von sich gegeben hat.
Mit diesem Werk hat Lars Jensen ein ganz großes Stück folkigen Blackmetals kreiert, und das in seinen jungen Jahren. Man darf sich noch viel von ihm erhoffen. Hinzufügend sei noch gesagt, dass man sich auf jeden Fall zumindest die Inhaltsangaben der Stücke auf Myrkgravs Seite durchlesen sollte, sie alle laden ein zum Schwelgen und sind Teil dieses Meisterwerks.

10/10