Det Germanske Folket hat sich mit der Zeit zu einem Label entwickelt, bei dem ich inzwischen regelmäßig hohe Erwartungen an die Releases stelle, die dann in aller Regel auch nicht enttäuscht werden. So sollte es dann auch beim Myrkgrav-Debut „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning" sein.

Folk Metal mit einem leichten Touch in die BM-Richtung, das ist es, was wir hier zu hören bekommen. Folk-Elemente sind dabei nicht so wahnsinnig viele dabei, der Heiden-Anstrich geht vor allem auf das Konto der Gitarrenmelodien, die man so eben von Pagan/Viking-Acts her kennt. Instrumentale Verstärkung am Bass hat sich Myrkgrav-Gründer Lars Jensen von Lumsks Espen Hammer geholt, außerdem zollen zwei Gastbarden (einer davon weiblich und erfreulicher Weise nur einmal, dafür aber dann richtig eingesetzt) ihren Tribut. Gesanglich beackert man das gesamte Feld dieser Metal-Richtung, heißt also, dass sowohl schwärzliches Schreien neben mehrstimmigen Passagen, reinem Klargesang und Frauenstimme steht, die Wendungen und Übergänge bleiben dabei fließend und stimmig. Auch wenn einen nicht gleich der Ohrwurm annagt, so findet man doch mit der Zeit mehr und mehr Gefallen, sobald man mal merkt, dass man Songstrukturen voraussagen kann, was nämlich hier nicht von Anfang an der Fall ist. Und so weiß man die zarte, aber dennoch vorhandene Melancholie etwa eins „Om Å Danse Bekhette" erst nach einiger Zeit zu schätzen, dafür aber wirkt dann alles gleich noch mal ein Stück mächtiger.

Musikalisch also macht man hier alles richtig, wenn ich das mal so sagen darf. Nun kann man aber nicht an „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning" vorbei, ohne auch das Konzept zu erwähnen. Lars bearbeitet dabei alte Geschichten aus seiner Heimatregion Ringerike. Dies tut er mit solch einer Hingabe, dass auf dem Cover gleich mal ein Ausschnitt eines Ölgemäldes abgedruckt wurde, der direkte Vorfahren des Musikers auf ihrer Heimatfarm zeigt. Die meisten Geschichten haben den norwegischen Sprachkreis niemals verlassen und sind auch nur im Dialekt Ringerikes vorhanden. So war das zumindest bisher, denn jetzt gibt es ja Myrkgrav.

11 Tracks abzüglich zweier Instrumentals ergeben elf teilweise sehr intensive Geschichten, und nur, um mal einen kleinen Vorgeschmack zu geben, hier eine davon:

Eines Nachts müssen ein Köhler (also für die jüngeren unter uns – das sind Typen, die aus Holz Kohle machen) und sein Gefährte ihren Kohlehaufen ablöschen, denn der hat zu brennen begonnen. Und Kohle darf ja nur glimmen, nicht aber brennen. Der Köhler stieg auf den Haufen, bis ganz nach oben. Dann brach er nach unten durch. Ganz nach unten.
Außer seinen Schreien war von ihm dann nichts mehr zu vernehmen, bis er endlich tot war. Sein Gefährte wollte helfen, aber die Hitze war zu groß, er verlor das Bewusstsein und er fiel in die Nähe der Flammen, so dass sein Kopf und ein Arm vollständig verbrannten.
Als man das bemerkte, kamen einige Leute herbeigelaufen, um zu sehen, was los war. Simen Burås, ein anderer Köhler, war wohl ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse und warf den Gefährten auf den brennenden Kohlehaufen und lies denselben vollständig abbrennen.
Die Seelen der beiden Verbannten wollten aber diesen Ort nicht verlassen. Nachts kehrte niemals Ruhe ein, und niemand konnte die Tür der Arbeiterhütte geschlossen halten. So riss man die Tür heraus, warf sie auf einen neuen Haufen Kohle, und befahl den beiden Toten, nun für immer zu ruhen. So geschah es dann.
Der Ort wurde Oppbrennerbønn genannt, was soviel bedeutet wie „die Kohlenmiene, bei der jemand verbrannte."

Wer mehr will – „Trollskau, Skrømt og Kølabrenning" ist voll davon.
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