Eine reife Leistung: Im beinahe gänzlichen künstlerischen Alleingang hat Multitalent Lars Jensen dieses formidable Album komponiert, eingespielt und -gesungen. Als Gastschlagzeuger nahm Kenneth Mellum alias RavenFrost auf dem Trommelschemel Platz, den Tieftoner hängte sich für einige Kompositionen Espen Hammer um – welchen man von den Folk-Metallern Lumsk kennen sollte. Auch ihre spielerischen Leistungen können sich bestens hören lassen. Hymnischer Folk Viking Metal mit vereinzelten epischen Schwarzmetall-Anleihen ist das Pläsier des außerordentlich begabten Musikers aus der norwegischen Kommune Ringerike, welcher zuvor unter dem Pseudonym Leiðólfr agierte. Und mit „Trollskau, Skrømt Og Kølabrenning“ legt der 21jährige ein enorm gehaltvolles und gleichfalls zeitlos schönes Werk vor, dessen edle Nordpracht die Gehörgänge gar hell zu erleuchten imstande ist. Die sehr eingängig gestaltete Nobelmischung aus der hochmelodischen Signifikanz von Windir, der erhaben majestätischen Opulenz der Falkenbach-Hymnen sowie der einschneidenden heidenmetallischen Schärfe von Truppen wie Månegarm oder alten Enslaved kann mich begeistern. Es gebricht den gleichfalls hart zupackenden wie auch anmutig frohlockenden Liedern von Myrkgrav glücklicher Weise weder an Härtelust und rauer Grimmigkeit noch an der für diese Stilistik dringend erforderlichen Portion Naturfreude und Herzenssehnsucht. Immer mal wieder enthaltene Tastenklänge sind ebenfalls mit von der nordischen Partie. Diese moderieren hier aber zu keiner Zeit das musikalische Geschehen, sondern koalieren stets dezent – mit kompositorischer Bedacht und stimmungsdienlich verdammt klug gelöst, wie ich finde.
Wenn Jensen an manchen Stellen der Lieder entweder verzückt heimatandächtig oder besinnlich naturromantisch wird, und in diesem Zuge seine unweigerlich einnehmenden Klargesänge anstimmt, offenbaren sich gleichfalls feierliche wie bezaubernde Stimmungsnuancen. Überhaupt, der gigantische Reichtum an Abwechslung mutet schier atemberaubend an. Besonders erwähnt werden muss hier die große sprichwörtliche Harmonie, welche der gesamten Spieldauer von „Trollskau, Skrømt Og Kølabrenning“ innewohnt – und welche in ihrer unvergesslichen akustischen Erscheinung weit weg von überwiegend gängigen Genre-Klischees ist. Der naturverbundene Trachten- und Wandersmann Jensen beschäftigt sich laut eigenem Bekunden mit den Sagen und Überlieferungen seiner Heimat, entsprechende Thematiken wurden auch auf lyrischem Terrain hier eingebracht – vorgetragen in ergötzlich kauzigem Ringeriker Dialekt. Das wirklich hervorragend zu den dargebotenen nordischen Mythen-Klängen passende Cover-Artwork entstammt dem Familienbesitz der Jensens – es zeigt den alten Bauernhof der Sippe, ein Ölgemälde, welches vor vielen Jahren gepinselt wurde. Auch die restliche Aufmachung dieser Veröffentlichung ist als exzellent einzustufen. Dermaßen eigenständig und begnadet gehen nur noch sehr wenige Vertreter dieses gebeutelten Metiers vor. Ein grandioses Lehrbeispiel der gekonnten Folk Viking Metal-Interpretation.